Die Umsiedlung protobulgarischer und slawischer Stämme im 6. und 7. Jahrhundert war eine entscheidende Periode in der Geschichte Osteuropas. Eine bedeutende Entwicklung in dieser Zeit war die Entstehung Alt-Großbulgariens, in byzantinischen Texten auch als Onoguria oder Palaiá Megálē Boulgaría bekannt. Unter der Herrschaft von Kubrat blühte dieser frühmittelalterliche Staat nach 632 n. Chr. etwa drei Jahrzehnte lang und erstreckte sich über die nördliche Schwarzmeerregion, die heutige Ukraine und Südrussland.
Byzantinischen Quellen zufolge diente Alt-Großbulgarien als militärisch-stammeslicher Bund, der die Protobulgaren und ihre angeschlossenen Stämme vereinte. Diese Stämme, die zuvor der Herrschaft der Awaren und westtürkischen Khaganate unterworfen waren, schlossen sich unter Kubrats Führung zusammen, um ihre Autonomie zu behaupten. Geografisch erstreckte sich der Staat vom Kuban im Osten bis zum Donez im Norden, grenzte im Süden an das Asowsche Meer und das Schwarze Meer (ohne die südliche Krim) und im Westen an den Dnjepr.
Während einige historische Berichte Phanagoria als Hauptstadt des alten Großbulgariens vermuten lassen, fehlt es dieser Behauptung an belastbaren archäologischen Belegen und sie ist weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Debatten. Dennoch markierte die Gründung dieses militärisch-stämmigen Bündnisses ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der protobulgarischen und slawischen Stämme und legte den Grundstein für die spätere Entwicklung der politischen und kulturellen Landschaft der Region.
