Dobrudscha – eine Ebene der Sonne, des Steppenwindes, des Weizens und der Sonnenblumen, der „alten Eichen“ – der Wächterinnen des Feldes; ein heiliger bulgarischer Raum, in dem Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Mythos aufeinandertreffen. Dieses Land bringt nicht nur das Brot Bulgariens hervor, sondern auch eine „selbstwilde Frau des Getreides“ – Dora Gabe. Versuchen wir, die Dichterin irgendwo da draußen in den Weiten der Dobrudscha zu sehen, in jenem „Es war einmal“, an das sie sich später selbst nostalgisch erinnert, als ob wir das Getrappel der Pferde hören und ein gelbes Cabriolet auf der staubigen Straße auftaucht, mit einem jungen Mädchen darin, gerade aus dem Ausland zurückgekehrt; oder dasselbe Mädchen mit großen, traurigen Augen, elegant gekleidet, wie es durch die engen Gassen der Dobrudscha zu der Schule geht, in der sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts Französisch unterrichtete?
In der Tat verwebt unsere heutige Vorstellung von der Dobrudscha zwei Namen zugleich: Yovkov und Dora Gabe. Sie sind eines der bedeutendsten Symbole dieses alten Landes. Daher ist es kein Zufall, dass sie unter demselben gastfreundlichen Dach der Dobrudscha beheimatet sind – im „Yordan Yovkov“-Gedenkhaus in Dobritsch. Neben der bereits bestätigten Ausstellung über Yovkov können Besucher heute auch eine Ausstellung über die Dichterin besichtigen, die am 26. August 2003 eröffnet wurde. Das Zusammenleben der beiden großen Schriftstellerinnen schafft die besondere Atmosphäre dieses Kulturzentrums. Verbindendes Element beider Ausstellungen ist das Thema Dobrudscha – ihr Schicksal und ihre Menschen. Sowohl Yovkov als auch Dora Gabe schöpfen ihre kreativen Kräfte aus diesem fruchtbaren, „guten“ Land.
Ihre Werke regen uns an, über sie nachzudenken, sie mit unserer Seele zu sehen – eine Ebene, die sprechen kann. Dies ist auch das Hauptkonzept der Ausstellung „Dora Gabe“ – das Leben der Dichterin und ihre kreative Verbindung mit ihrer Heimat Dobrudscha darzustellen. Für Dora Gabe ist dies das heilige Land ihrer Kindheit: mit den uralten Eichen, dem Vaterhaus, dem Hund im Hof, Mamas Gitarre und Papas Büchern. Gleichzeitig ist die Dobrudscha aber auch der große Schmerz, die heimatliche Ecke, gewaltsam aus dem Mutterland gerissen. Das Land ihrer Kindheit wurde zu ihrem Leben und ihrer kreativen Bestimmung.
Die Ausstellung ist in Violett gehalten – Dora Gabes Lieblingsfarbe der „Dekadenz“ – und versucht durch ihre überwiegend aus Glas gefertigten, originellen, beweglichen Konstruktionen die reiche, vielfältige und zarte Seelenwelt der Dichterin materiell zu veranschaulichen und durch Formen und Farben darzustellen. Grundlage der Ausstellung ist Dora Gabes schöpferische Tätigkeit: Schriftstellerin und Dichterin für Erwachsene und Kinder, Übersetzerin und Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, Intellektuelle und Lehrerin für junge Menschen. Daher folgt die Ausstellung nicht ausschließlich dem Klischee des „Lebens- und Schaffenswegs“, sondern ist eher literaturhistorisch. Obwohl es schwierig ist, der Chronologie zu entkommen, ist es noch schwieriger, die Türen zum Mythologischen zu öffnen. Die Ausstellung ist konventionell in mehrere thematische Kerne gegliedert: Dora Gabe und die Dobrudscha, Geburtsort und familiäres Umfeld, Werke für Erwachsene – Originale und Übersetzungen, Werke für Kinder.
Der erste thematische Kern steht im Zentrum der Ausstellung und präsentiert ihr Leitthema: Dora Gabe und die Dobrudscha. Er zeigt die bürgerliche Haltung der Dichterin zur sogenannten Dobrudscha-Frage. Jahrzehntelang setzte sie sich in ihren Werken, in der Presse und bei internationalen Schriftstellertreffen für die Rückgabe der zu Unrecht eingenommenen Süd-Dobrudscha an Bulgarien ein. Als dies 1940 geschah, war Dora Gabe eine der ersten Schriftstellerinnen, die mit den bulgarischen Truppen in das neu befreite Land einmarschierten.
Der zweite Themenschwerpunkt stellt das familiäre Umfeld der Dichterin vor: den Vater – den bedeutenden Geschäftsmann und Politiker Petar (Peysach) Gabe – und die Mutter Ekaterina Duel – eine Künstlerin und Volksheilerin. Das Museumspublikum hat die Möglichkeit, einen Großteil der Bücher des Vaters sowie den aristokratischen schwarzen Anzug der Mutter zu besichtigen. Auch die Memoiren „Einst“ – „kleine psychologische Studien in poetischer Form“ (Wladimir Wassiljew) – werden hier präsentiert. Darin kehrt die Dichterin in die magische Welt der Kindheit zurück, aus der sie ihr Leben lang Bilder und Inspiration schöpft. Der dritte Themenschwerpunkt stellt Dora Gabe als Dichterin, Schriftstellerin und Übersetzerin vor. Ihre kreative Langlebigkeit ist Voraussetzung für eine wahrhaft vielseitige literarische Tätigkeit.
Besonders wichtig für uns sind die skizzierten literarischen Dialoge: Dora Gabe – Yavorov, Dora Gabe – Boyan Penev, Dora Gabe – Yordan Stubel, Dora Gabe – Vazov, Mara Belcheva, Yordan Yovkov, Elisaveta Bagryana; Kasprovich, Slovatsky, Nezval, Fedin, Yanis Ritsos und viele andere usw. Zahlreiche Bücher und literarische Widmungen „erzählen“ von diesen fruchtbaren kreativen Kontakten. Sehr wertvoll ist auch die Erstausgabe (1908) der ersten Gedichtsammlung einer Frau in Bulgarien – Temenugi – sowie andere Bücher von hohem Museumswert. Der letzte thematische Kern präsentiert Dora Gabe als Kinderbuchautorin. Ausgestellt sind ihre christologischen Texte, Bücher, durch die jeder zu seinen ersten Kindergedichten und -geschichten zurückkehrt – wahrhaft „goldene Bücher“ für Kinder und Erwachsene. Die Ausstellungstafeln werden zudem durch Ilija Beschkows bemerkenswerte Illustrationen aus Dora Gabes Buch „Vom Elefanten zur Ameise“ belebt. Das Museumspublikum kann zudem das Arbeitszimmer der Dichterin berühren und so die Atmosphäre ihres gemütlichen Sofiaer Zuhauses nachempfinden.
Die beiden antiken Ikonen sowie Dora Gabes sorgfältig ausgewählte persönliche Gegenstände tragen ebenfalls dazu bei. Ganz bewusst wird dieser alltägliche Moment in der Ausstellung maximal eingeengt und auf eine möglichst allgemeine Darstellung der materiellen Welt der Schriftstellerin reduziert. Obwohl Dora Gabes Archiv im „Jordan-Jowkow“-Gedenkhaus noch zahlreiche Gegenstände, Fotos, Bücher und andere Materialien enthält, die zu bestimmten Anlässen präsentiert werden, duldet das Ausstellungskonzept keine Dominanz des Materiellen, des Alltäglichen gegenüber dem Geistigen, gegenüber dem, was die kreative Natur und die literarischen Aktivitäten der Dichterin offenbart.
Ein Großteil der Ausstellungsstücke gelangte als Schenkung ins Museum. Hauptspenderin ist Violeta Peneva, Übersetzerin und Nichte von Prof. Boyan Penev. Dank ihr sind in der Ausstellung viele wertvolle Bücher der Dichterin und Gegenstände aus ihrem Haus zu sehen. Großzügig ist auch die Geste des bulgarischen Schriftstellerverbandes, der sich von Dora Gabes Büro und den beiden wertvollen Ikonen aus ihrem Haus trennte und sie dem Museum in Dobritsch schenkte.
Großartig war die Unterstützung der Dichterin Elka Nyagolova – der ersten Gewinnerin des „Dora Gabe“-Literaturpreises –, die Dora Gabes Schreibmaschine und ihre Habseligkeiten kaufte und spendete; des Lady Rotary Clubs Dobritsch, der die Mittel für den Kauf von Ekaterina Duel-Gabes Anzug bereitstellte; Vulkan Shopov, der ihm signierte Bücher der Dichterin schenkte, sowie anderer Bürger und Organisationen. Ohne diese großzügigen Spenden wären nicht nur diese Ausstellung, sondern auch andere Museumsveranstaltungen nicht möglich.
Die Autoren der Ausstellung „Dora Gabe“ sind überzeugt, dass die Dichterin wahrhaftig „unsterblich“ geworden ist, dass sie wahrhaftig „eine Ebenbürtige aller Generationen“ ist, dass sie uns auf sehr einfühlsame Weise lehrt, würdevolle Menschen und Bürger zu sein, subtil zu sein, aber auch unsere Positionen mutig zu verteidigen, die Weisheit zu erlangen, jeden Augenblick des Lebens zu genießen, nach Schönheit zu suchen und stets danach zu streben. Denn vielleicht sollten wir mit der Utopie des beliebten Schriftstellers Dostojewski leben können, dass „Schönheit die Welt retten wird“.
Arbeitszeiten:
Winterarbeitszeiten 1.10.–30.04.: 8.30–12.30 Uhr und 1.30–17.30 Uhr; Samstag und Sonntag frei;
Sommerarbeitszeiten 01.05.–30.09.: 9.00–13.00 Uhr und 14.00–18.00 Uhr;
Eintrittskarten:
Eintrittspreise für das Gelände: Erwachsene: 3,00 BGN, Kinder, Schüler, Studenten: 1,00 BGN, Familienticket: 4,00 BGN.
Eintrittspreise für die Touristenroute: Erwachsene: 6,00 BGN, Kinder, Schüler, Studenten: 2,00 BGN, Familienticket: 10,00 BGN.
Eintrittspreis für die Teilnahme an Bildungsprogrammen: 2 BGN.
Vorträge: auf Bulgarisch: 5,00 BGN, in einer Fremdsprache: 10,00 BGN.
Adresse: Dobrich, G. Gurko Str. Nr. 4
Kontakt:
Telefon: 058/ 602 213, 0884311492.
